„Systemsprenger“ – Experten der Kreise fordern überregionale Lösungen
Eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern der Landkreistags NRW (LKT NRW) zeigt einen signifikanten Anstieg sogenannter „Systemsprenger“-Fälle. Gemeint sind Kinder und Jugendliche mit besonders herausforderndem Verhalten, die durch bestehende familiäre, institutionelle und gesellschaftliche Unterstützungsstrukturen nicht mehr ausreichend erreicht werden können.
„Wir beobachten eine deutliche Zunahme dieser Fälle, die für die betroffenen Kreise mit erheblichen fachlichen und finanziellen Belastungen verbunden sind und durch die örtlichen Jugendämter kaum steuerbar sind“, erklärte der in der Sitzung neu gewählte Vorsitzende des Jugendausschusses des LKT NRW, Landrat Markus Ramers (Kreis Euskirchen). Nach Angaben der betroffenen Jugendämter belaufen sich die Kosten vielfach auf rund 50.000 Euro pro Monat und Fall, in Einzelfällen sogar auf über 100.000 Euro monatlich. Diese Kosten müssen in der Regel die zuständigen kommunalen Jugendämter selbst tragen.
Vor diesem Hintergrund fordert der Ausschuss daher überregionale Lösungen: „Die kommunale Jugendhilfe wird vielfach als Ausfallbürge genutzt, wenn andere Systeme keine Lösungen mehr anbieten können. Für den einzelnen örtlichen Träger handelt es sich um Einzelfälle, die diesen eher zufällig treffen und für die keine strukturellen Angebote vorgehalten werden können. Bei landesweiter Betrachtung ist ein erheblicher Zuwachs solcher Fälle und ein massiver Anstieg der Kostenbelastung für die Kommunen zu konstatieren“, beschreibt Ramers die Problemlage.
Die Bedarfe müssen daher überregional erhoben und auch überregional gedeckt werden. Zugleich sei eine verlässliche und planbare Finanzierung dringend notwendig: „Die derzeitige Finanzierung ist in aller Regel vom Einzelfall abhängig und führt zu erheblichen Ungleichbelastungen der Kommunen. Die Lösung kann nur gesamtstaatliche Solidarität sein. Wir brauchen eine systematische, staatlich abgesicherte Finanzierung für solche Fälle, die die örtlichen Träger nachhaltig entlastet“, betonte Ramers.