Gewalt gegen Frauen: außergewöhnliche Aktionen des Rhein-Erft-Kreises
Rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 25. November 2024 machte der Rhein-Erft-Kreis mit einer außergewöhnlichen Aktion auf das Thema aufmerksam: Brötchentüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt uns nicht in die Tüte!“ wurden in der Region verteilt. Im Dezember wurde im Beisein von Landrat Frank Rock außerdem im Kreishaus in Bergheim die Ausstellung „Femizide“ – Ein Mahnmal gegen Gewalt an Frauen“ eröffnet. Die Installation mit 360 Paar Schuhen war vom Frauenhaus des Rhein-Erft-Kreises initiiert.
Gewalt kommt uns nicht in die Tüte!
Wer im November im Rhein-Erft-Kreis beim Bäcker Brötchen kaufte, erhielt unter Umständen mehr als nur Backwaren: 100.000 Brötchentüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt uns nicht in die Tüte!“ wurden in Bäckereien verteilt. Und die Tüten waren mehr als nur Verpackung – sie transportierten eine wichtige Botschaft und boten zugleich konkrete Unterstützung für Betroffene von Gewalt. Ein QR-Code auf den Tüten führte direkt zu einer Übersicht aller Hilfsstellen und ihrer Kontaktdaten im Rhein-Erft-Kreis. Ziel war es, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, Betroffenen Mut zu machen, auf Hilfsangebote hinzuweisen und den Zugang zu Unterstützung so einfach und diskret wie möglich zu gestalten.

Landrat Frank Rock (links) und die Gleichstellungsbeauftragte Julia Willems (2. Reihe, Mitte) präsentieren zusammen mit Unterstützern und Bäckerei-Vertretern die Brötchentüten der Kampagne „Gewalt kommt uns nicht in die Tüte!“.
Quelle: Rhein-Erft-Kreis
Die Aktion wurde durch die enge Zusammenarbeit von elf Bäckereien im Kreisgebiet ermöglicht und ist Teil einer breiten Kooperation: Neben dem Rhein-Erft-Kreis trugen der Runde Tisch gegen Gewalt an Frauen, die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten sowie das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen zum Erfolg der Aktion bei.
Landrat Frank Rock zeigte sich von der Aktion überzeugt:
„Gewalt gegen Frauen ist eine Herausforderung, die uns alle betrifft. Mit dieser Aktion erreichen wir die Menschen direkt in ihrem Alltag und schaffen Aufmerksamkeit für ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt. Ich ermutige jede betroffene Frau, den ersten Schritt zu wagen – ein starkes Netzwerk steht bereit, um zu helfen.“
„Unsere Aktion ist darauf ausgerichtet, den Blick der Bürgerinnen und Bürger auf das Thema Gewalt an Frauen zu lenken“, ergänzte die Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Erft-Kreis, Julia Willems. „Wir wünschen uns, dass Frauen den Mut haben, die Gewaltspirale zu durchbrechen und sich Hilfe zu suchen, denn diese Hilfe gibt es. Mit den Brötchentüten kommen diese Infos auf einem ganz einfachen Weg in ganz viele Haushalte. Ein herzlicher Dank geht an alle Bäckereien, die unsere Aktion unterstützen.“
Femizide sichtbar machen
Im Dezember wurde im Foyer des Kreishauses in Bergheim außerdem die Ausstellung „Femizide“ – Ein Mahnmal gegen Gewalt an Frauen“ eröffnet. Die vom Frauenhaus Rhein-Erftkreis e.V. initiierte Installation aus 360 Paar Schuhen symbolisierte die im Jahr 2023 deutschlandweit aufgrund ihres Geschlechts ermordeten Frauen und Mädchen. Die Ausstellung sollte die Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken anregen, das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt bewusst machen und ermutigen, sich aktiv für eine Gewaltfreiheit gegen Frauen und Kinder einzusetzen.
„Die Dimension dieser Zahlen ist erschreckend“, erklärte Landrat Frank Rock, der an der Eröffnung teilnahm und ein Grußwort hielt. „Femizide sind keine Einzelfälle, sondern ein gesellschaftliches Problem, das unsere Aufmerksamkeit und unser Handeln erfordert. Mit dieser Ausstellung setzen wir ein klares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und für den Schutz der Betroffenen sowie ihrer Kinder.“
Janin Harig, Vorsitzende des Trägervereines, eröffnete die Ausstellung und betonte die Bedeutung der Prävention und Sensibilisierung: „Neben einer dringend notwendigen bundeseinheitlichen auskömmlichen Finanzierung von Frauenunterstützungseinrichtungen muss endlich akzeptiert und hinterfragt werden, dass Gewalt an Frauen und ihren Kindern auf einem gesellschaftlichen, patriarchalen System basiert und aus diesem Grund nur aus der eigenen inneren Haltung jedes Einzelnen heraus befördert werden kann, Frauen das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit und ein selbstbestimmtes Leben gleichwertig zuzugestehen. Gewaltschutz kostet Geld und rettet Leben.“

Die Ausstellung „Femizide – Ein Mahnmal gegen Gewalt an Frauen“ mit einer Installation aus 360 Paar Schuhen war im Kreishaus in Bergheim zu sehen.
Quelle: Rhein-Erft-Kreis
Laut des Lagebilds des Bundeskriminalamts zu geschlechtsspezifischen Straftaten gab es in Deutschland 2023 fast täglich einen Femizid und täglich mehr als einen versuchten Femizid. 80,6 Prozent der Tötungsdelikte standen im Zusammenhang mit partnerschaftlichen Beziehungen. Auch im Rhein-Erft-Kreis gab es 2024 Fälle der Tötung oder versuchten Tötung einer Frau durch ihren Partner, die von der Polizei bearbeitet wurden.
Die Installation der symbolischen 360 Paar Schuhe bot zugleich interaktive Informationen zu Hilfsangeboten für von Häuslicher Gewalt betroffene Frauen im Kreisgebiet. Fußabdrücke im Boden zeigten die Namen der durch ihre Ehemänner, Partner oder Expartner getöteten Frauen und gingen über in das Schutzangebot „Frauenhaus“ und weitere Frauenunterstützungseinrichtungen.
Wer Hilfe sucht, kann sich an die örtlichen Frauenhäuser wenden oder an das bundesweite Hilfetelefon unter der Nummer 08000 116 016.
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| Julia Willems Quelle: Rhein-Erft-Kreis |
