Kulturschätze in Westfalen-Lippe: Archäologie, Industriekultur, Handwerk, Technik, Klosterkultur, Kunst, Naturkunde und Alltagskultur
Mit einem vielfältigen und deutschlandweit einzigartigen Ensemble aus Museen, Instituten, wissenschaftlichen Kommissionen und kulturfachlichen Dienstleistungen, steht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für einen breitgefächerten Kulturbegriff, der von der Industriekultur bis Handwerk und Technik, von der (zeitgenössischen) Kunst zur Naturkunde und Alltagskultur in Westfalen, von der Archäologie bis zum Archivwesen, zu Bau- und Bodendenkmälern reicht. So erhält, fördert und erweitert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das kulturelle Erbe in Region mit dem Ziel ein ausgeglichenes kulturelles Angebot zwischen städtischem und ländlichem Raum zu schaffen. Digitalität, Inklusion, Diversität und Nachhaltigkeit sind dabei strategische Ziele der Arbeit der LWL-Kultur und werden programmatisch, projektbezogen sowie strukturell umgesetzt.
Auf Entdeckungstour durch die Kultureinrichtungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Wenn es um besondere Kulturschätze gehen soll, muss der Blick auf die 18 Museen und zwei Besucherzentren des LWL fallen, die jährlich rund 1,7 Millionen Besuchende anlocken und auf den Gebieten Archäologie, Handwerk und Technik, Industriekultur, Klosterkultur, Kunst, Naturkunde und Alltagskultur vermitteln.
Industriekultur erleben, aktuellen Themen begegnen

Kolonialgeschichte auf Zeche Zollern.
Quelle: LWL / Julia Gehrmann
Unter dem Dach des Westfälischen Landesmuseums sind acht ehemalige Orte der Arbeit vereint. Zu den LWL-Museen für Industriekultur gehören drei ehemalige Bergwerke, eine Eisen- und eine Glashütte, eine Ziegelei, eine Textilfabrik und ein Schiffshebewerk. Neben der einmaligen Architektur der ehemaligen Industrieorte, werden Sonderausstellungen gezeigt, die auch aktuelle, gesellschaftspolitische Themen aufgreifen. So beispielsweise in der Sonderausstellung „Das ist kolonial. Westfalens (un)sichtbares Erbe“ im LWL-Museum Zeche Zollern in Dortmund. Im Fokus stehen die Berührungspunkte Westfalens mit Kolonialgeschichte. Dabei werden verschiedene Aspekte wie wirtschaftliche Verflechtungen, Menschen aus Westfalen, die in den Kolonien agierten, Kolonialismus im Alltag sowie Widerstand, Kolonialkriege und Erinnerungskultur betrachtet. Das LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg nimmt sich in der Sonderausstellung "Container. Die globale Box" dem Thema Globalisierung am Beispiel des allgegenwärtigen Übersee-Containers an. Die unscheinbare Blechkiste symbolisiert nicht nur die Globalisierung wie kaum ein anderer Gegenstand, sondern veränderte auch weltweit Transport- und Produktionsprozesse. Das LWL-Museum Glashütte Gernheim genießt einen Ruf als Zentrum internationaler Glaskunst. Im November 2024 wurde die manuelle Glasfertigung als immaterielles UNESCO Kulturerbe anerkannt und das LWL-Museum als Ort dieses traditionsreichen Handwerks ausgezeichnet.
Alltagskultur, Handwerk und Technik in den Freilichtmuseen Detmold und Hagen
Das größte Freilichtmuseum Deutschlands steht in Detmold und präsentiert 500 Jahre Alltagskultur aus allen Regionen Westfalen-Lippes: Im LWL-Freilichtmuseum Detmold taucht man ein in das ländliche Leben der Vergangenheit. Bei einer Zeitreise durch das 90 Hektar große Gelände des LWL-Freilichtmuseums Detmold entdecken die Besuchenden nicht nur 120 historische Gebäude, Gärten, Felder, Wälder und Wiesen, sondern auch historisches Handwerk und alte Tierrassen. In wechselnden Sonderausstellungen werden Bezüge zu aktuellen Themen gesetzt. 2025 steht beispielsweise Nachhaltigkeit im Fokus. In 2026 eröffnet das Museum ein neues Eingangs- und Ausstellungsgebäude, das in Bau und Betrieb nachhaltig ist und damit ein kulturelles Highlight in die Region bringen wird.
Technik und Handwerk in beindruckender Kulisse lassen sich im LWL-Freilichtmuseum Hagen erleben. Zu entdecken gibt es Gebäude und Werkstätten aus der Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre. In vielen der über 60 historischen Betriebe wird „wie früher“ gearbeitet. Schmieden, Backen, Drucken, Papierschöpfen und Seileschlagen sind nur einige der alten Techniken, die gezeigt werden. Viele der Produkte, die dabei entstehen, können in den Museumsläden erworben werden. 2025 steht die Biodiversität im Fokus und kann in der Ausstellung "Wiesion" erkundet werden.
1000 Jahre Kunst und Kultur
Im Herzen Münsters werden 1000 Jahre Kunstgeschichte präsentiert. Der Sammlungsbestand des LWL-Museums für Kunst und Kultur umfasst relevante Exponate mittelalterlicher Sakralkunst Westfalens, eindrucksvolle Kunstwerke der Renaissance, des Barocks und des 19. Jahrhunderts. Es beheimatet zahlreiche Werke der klassischen und internationalen Moderne sowie der Gegenwartskunst. 2025 dreht sich alles um die Publikumslieblinge Pablo Picasso und Ernst Ludwig Kirchner. „Kirchner. Picasso.“ stellt die Frage nach Verbindungen und Unterschieden zwischen den Arbeiten der beiden Ausnahmekünstler. Ihre Inspirationen sowie ihre Geschlechter-, Selbst- und Fremddarstellungen werden unter der Berücksichtigung gendergerechter, postkolonialer und gesellschaftskritischer Diskurse beleuchtet.
Archäologisches Schaufenster
Das LWL-Museum für Archäologie und Kultur ist das zentrale Schaufenster der Bodendenkmalpflege in Westfalen und materieller Spiegel der Menschheitsgeschichte dieser Region. Eine unterirdisch angelegte Grabungslandschaft offenbart die Geschichte der Menschheit in der Region so, wie sie die Archäologen auf einer archäologischen Ausgrabung im Boden vorfinden: Schicht für Schicht geben die Funde große Ereignisse und prägende Phasen in der Entwicklung des Menschen und seiner Kultur preis. Interdisziplinäre Sonderausstellungen ergänzen das Programm. Ab dem 03.10.2025 widmet sich das Museum mit "Mahlzeit!" der Sozialgeschichte des Essens und Trinkens. Archäologische Funde und andere Objekte aus der Kulturgeschichte des Essens und Trinkens zeigen die Vielfalt der Ess-Kulturen von der Steinzeit bis heute.
Klosterkultur reloaded
Die Ausstellungen im Kloster Dalheim wird auch von vielen Schulklassen besucht.
Quelle: LWL/Hoffmann
Beheimatet im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Dalheim in Westfalen lädt die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur heute dazu ein, die ganze Vielfalt klösterlicher Kultur zu entdecken. Ausgehend von der Geschichte des Ortes macht das Museum seit 2007 Klosterleben und -kultur auf innovative Weise erlebbar. Hier treffen historische Gemäuer auf moderne Architektur, 800 Jahre Geschichte auf außergewöhnliche Ausstellungen, gestaltete Gärten auf wilde Natur, Ora auf labora und Idylle auf Abenteuer. Daneben werden regelmäßig Sonderausstellungen gezeigt wie derzeit "Und vergib uns unsere Schuld? Kirchen und Klöster im Nationalsozialismus", in der die komplexe Wechselbeziehung von Christentum und Nationalsozialismus für ein breites Publikum aufbereitet wird.
Ein Blick zurück nach vorn
Kulturschätze bewahren, erforschen und vermitteln heißt auch den Blick in die Vergangenheit werfen und von dort Brücken zur Gegenwart zu bauen. 2025 begeht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe gemeinsam mit der LWL-Kulturstiftung das Jubiläumsjahr "1250 Jahre Westfalen". 44 Kulturprojekte in ganz Westfalen-Lippe widmen sich der Geschichte Westfalens und aktuellen Fragen nach Identität, Herkunft und Zugehörigkeit. Mit der Ausstellung „775 – Westfalen: Die Ausstellung“ bildet das LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn den Mittelpunkt des Themenjahres. Mit kleinen und großen archäologischen und kulturgeschichtlichen Highlights geht die Jubiläumsausstellung den Geschichten der Region, bedeutenden Westfälinnen und Westfalen und dem Westfalenbild durch die Zeit nach und lädt zur Wanderung durch die Jahrhunderte ein.
Kulturhighlights über den Tellerrand hinaus
Kulturschätze fördern, bewahren und etablieren heißt auch die kulturelle Infrastruktur stärken, Ideen, Projekte, Personen und Institutionen in Westfalen-Lippe und darüber hinaus vernetzen. Dies tut der LWL in Form diverser Förderungen, wie dem LWL-Kulturfonds, dem LWL-Freie-Szene-Fonds, dem LWL-Naturfonds sowie durch das Projekt "Kultur in Westfalen" mit seinen Westfälischen Kulturkonferenzen, die seit 13 Jahren festes kulturpolitisches Austauschformat der Region sind. Die LWL-Kultur versteht sich als Kulturdienstleisterin für Bürgerinnen und Bürgern, für Kreise, Städte und Gemeinden in Westfalen-Lippe und als Interessenvertreter der Kultur und der Kulturschaffenden. Als Bewahrerin des kulturellen Erbes sowie Ansprechpartnerin und Förderer für Kulturschaffende. Damit wirkt der LWL zugleich als Akteur des Kulturwandels und als Kulturbotschafter aus den Kommunen in die Kommunen für heutige sowie zukünftigen Generationen und bezieht gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig ein. Die Basis für diese Entwicklungsprozesse stellt das Kulturpolitische Konzept des LWL, das gleichermaßen Leitplanke und Inspirationen für die bestehenden und künftigen Handlungsfelder der LWL-Kultur ist.
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| Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger Quelle: LWL_BOK+Gärtner GmbH / Julia Cawley |
Katharina Friesen Quelle: Privat |

