Fit für den Einsatz: Neuer Qualifizierungslehrgang für den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD)

08. Juli 2025: Von Madeleine Krefeld, Dozentin, Studieninstitut Westfalen Lippe

Der kommunale Ordnungsdienst leistet neben der Polizei einen entscheidenden Beitrag zur Gefahrenabwehr in NRW. Hohe Anforderungen an die Beschäftigten im KOD und eine gesteigerte Aggressivität in der Gesellschaft zeigen, wie wichtig eine spezifische Qualifizierung der Beschäftigten in diesem Aufgabenbereich ist. Seit ca. einem Jahr haben Beschäftigte des Kommunalen Ordnungsdienstes in NRW die Möglichkeit, einen zertifizierten Lehrgang an einem der zwölf Studieninstitute1 zu besuchen.


Kommunaler Ordnungsdienst im Einsatz.
Quelle: Studieninstitut Krefeld, A. Bischof

Wie kam es dazu?
Eine Beschlussfassung des Landtags NRW aus dem Jahr 20202 legte den Grundstein für die Entwicklung des Lehrgangs. Der Landtag beauftragte die Landesregierung, gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden eine konzeptionelle und zukunftsfähige Weiterentwicklung der kommunalen Ordnungsdienste durch eine Aus- und Fortbildung mit landesweiten einheitlichen Standards anzustreben.
Nach ausgiebiger Beratung einigte man sich schließlich auf ein Konzept zur Qualifizierung der KOD-Beschäftigten. Beteiligt waren neben den kommunalen Studieninstituten Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen, des Innenministeriums in NRW, des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei sowie des Netzwerks #sicherim Dienst.

Besondere Aufgaben des KOD innerhalb der Kommune
Bislang gab es bei sämtlichen Studieninstituten viele unterschiedliche Angebote für die KOD-Mitarbeitenden, sich aus- und fortzubilden. Der Wandel der Gesellschaft, insbesondere die wahrnehmbare gesteigerte Aggressivität zeigt jedoch, dass es notwendig ist, die Kompetenzen der Beschäftigten praxisorientiert weiter zu stärken3. Der Lehrgang soll sie unterstützen, die Herausforderungen des anspruchsvollen Arbeitsalltags effektiv und rechtssicher zu meistern.
Der KOD übernimmt ein breit gefächertes Aufgabenspektrum im öffentlichen Raum. Dazu zählt unter anderem die Überwachung des ruhenden Verkehrs, Tierschutz, Jugendschutzkontrollen, Schulzuführungen, Gewerbeüberwachungen, Cannabiskontrollen sowie die Betreuung von Großveranstaltungen und regelmäßige Streifendienste.
Im Dienstalltag begegnen den Mitarbeitenden dabei sowohl routinemäßige als auch herausfordernde Einsatzsituationen: Von der Kontrolle nicht angeleinter Hunde über Ruhestörungen, Aufenthaltsermittlungen und die Aussprache von Platzverweisen bis hin zu besonders sensiblen Maßnahmen wie der Räumung von obdachlosen Personen aus der Fußgängerzone, der Sicherstellung von Tieren oder der Unterbringung von Menschen nach dem PsychKG.
Bei ihren Einsätzen benötigen die KOD-Mitarbeitenden daher neben spezifischen Rechtskenntnissen zusätzlich besondere Kompetenzen in professioneller deeskalierender und adressatengerechter Kommunikation. Sie müssen unter Umständen auch grundrechtseinschränkende Verwaltungsmaßnahmen durchsetzen.4 In besonderem Maße sind somit Sozialkompetenzen sowie Fähigkeiten der Eigensicherung und des Selbstschutzes notwendig, um sicher und professionell handeln zu können.

Lehrgangskonzept KOD
Das nach intensiver Beratung entwickelte Qualifizierungskonzept sieht verpflichtende Basisinhalte in drei aufeinander aufbauenden Modulen vor:
Im ersten Modul erwerben die Teilnehmenden die für den ordnungsbehördlichen Außendienst relevanten Rechts- und Fachkenntnisse. Hierzu gehören Grundlagen des Polizei- und Ordnungsrechts, des Ordnungswidrigkeitenrechts, der polizeilichen Standardmaßnahmen und zahlreiche spezialgesetzliche Regelungen (z. B. Straßenverkehrsrecht, Umweltrecht, Ausländerrecht, PsychKG). Die theoretischen Inhalte werden anhand von praktischen Beispielen anschaulich vermittelt. Im zweiten Modul lernen die Teilnehmenden die Grundlagen der Kommunikation sowie den Umgang mit spezifischen Kommunikations- und Konfliktlagen kennen. Das dritte Modul legt den Schwerpunkt auf die Eigensicherung und den Selbstschutz im Außendienst.

Die methodische Struktur gliedert sich dabei wie folgt:


Die Lehrgangsstruktur im Überblick.
Quelle: Studieninstitut Westfalen Lippe, Flye

Weitere Bedarfsmodule wie z. B. der Umgang mit Führungs- und Einsatzmitteln, Eingriffe gemäß den Standardermächtigungen nach § 24 OBG NRW und der unmittelbare Zwang nach dem VwVG NRW sind möglich.
Diese Bedarfsmodule können neben den einheitlichen Basisinhalten vertiefend und nach Bedarf durch die Kommunen hinzugebucht werden. So haben sie die Möglichkeit, den Lehrgang auf ihre eigenen Spezifika anzupassen (Heterogenität der einzelnen kommunalen Ordnungsdienste aufgrund der vielfältigen kommunalen Gegebenheiten wie z.B. Flächenkommunen versus Städte mit größeren Ballungsräumen oder unterschiedliche Ausstattungen).

Praxistest bestanden
Mit 24 Teilnehmenden aus insgesamt acht Gemeinden startete der erste KOD-Lehrgang im August 2024 am Studieninstitut Westfalen Lippe in Münster. 15 Dozierende schulten die Teilnehmenden an insgesamt 16,5 Tagen. Die Teilnehmenden waren sich einig: „Wir haben viel gelernt“.

Einige O-Töne:

  • „Ich kann von dem Stoff heute viel mitnehmen und auch anwenden“
  • „Selektion wichtiger Themen für meine Arbeit“
  • „Viele praxisnahe Beispiele spezifisch auf die Arbeit des KOD ausgerichtet“
  • „Realistisches Situationstraining“
  • „Lebhafter Vortrag“
  • „Aktive Teilnahme“
  • „Guter Austausch untereinander“


Team 1 des KOD-Lehrgangs Dezember 2024
Quelle: Studieninstitut Westfalen Lippe

Lessons learned
Gut kam das herkömmliche Veranstaltungsformat „Präsenz“ an. So hatten die Teilnehmenden, die in der Regel aus unterschiedlichen Kommunen kamen, die Möglichkeit, sich direkt untereinander zu vernetzen und auszutauschen.
Verbesserungsbedarf hat sich bei der Dauer des Situationstrainings gezeigt.
Das Situationstraining bildet das Bindeglied zwischen allen Modulen, um das theoretische Wissen in Trainingseinheiten praktisch anzuwenden. Der hierfür vorgesehene halbe Tag war nach den Erfahrungen des ersten Durchlaufs zu kurz bemessen und wurde für den nächsten Lehrgang auf einen Tag erweitert.
Der ca. dreiwöchige Lehrgang hat den Anspruch, Grundlagen zu vermitteln, die im Nachgang wiederholt und vertieft werden sollten. Unsicherheiten bezüglich der spezifischen Rechtskenntnisse könnten durch eine „Online-Sprechstunde“ mit ausgewählten Dozierenden behoben werden, die halbjährlich nach dem Lehrgang angeboten wird.
Zudem wäre es wünschenswert, wenn die Mitarbeitenden des KOD insbesondere Aspekte zur Eigensicherung und zum Selbstschutz regelmäßig trainieren könnten (auf freiwilliger oder auch verpflichtender Basis), um in Stresssituationen automatisiert handeln zu können.
Hier zeigt sich, wie unterschiedlich die Kommunalen Ordnungsdienste in NRW aufgestellt sind. Im Gegensatz zu kleinen Kommunen verfügen größere Städte teilweise über eigene Liegenschaften und führen dort wöchentliche Trainings in Eigenverantwortung durch.
Dies bietet einen vielversprechenden Ansatzpunkt für eine interkommunale Zusammenarbeit: Kommunale Ordnungsdienste mit adäquater Ausstattung und Struktur könnten bei Bedarf kleinere Ordnungsdienste unterstützen und ihre Ressourcen oder Expertise zur Verfügung stellen.
Weitere Erkenntnisse und auch neue Ideen werden aus den folgenden Lehrgängen gesammelt, um sich weiter zu verbessern. Der zweite Lehrgang des Studieninstituts Westfalen-Lippe findet seit Mai 2025 in Bielefeld statt, weitere Lehrgänge für kommendes Jahr in Münster und Hagen sind in Planung.
Abschließend ist festzuhalten, dass der neue Lehrgang durch die landesweit einheitliche Qualifizierung zu einer höheren Akzeptanz und Aufwertung der Tätigkeit von KOD-Mitarbeitenden sowohl innerhalb der Verwaltungen als auch im Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern beiträgt.
Denn schließlich sind gut ausgebildete Mitarbeitende der Kommunalen Ordnungsdienste ein wichtiges Fundament einer sicheren Kommune.

Madeleine Krefeld
Quelle: Studieninstitut Westfalen Lippe



1 Die örtliche Umsetzung kann beim jeweiligen Studieninstitut erfragt werden.
2 Drucksache 17/9820 MMD17-9820.pdf
3 Flyer: Zertifizierter Lehrgang für kommunale Ordnungsdienstkräfte:
4 Flyer: Zertifizierter Lehrgang für kommunale Ordnungsdienstkräfte