Mehr Frauen in die Politik – bundesweites Aktionsprogramm mit dem Hochsauerlandkreis

14. Juli 2025: Von Karin Schüttler-Schmies, Gleichstellungsbeauftragte, Hochsauerlandkreis

Wie kann Parität in den Stadt- und Gemeinderäten und im Kreistag gefördert werden? Welche Rahmenbedingungen sind hilfreich? Diese Fragen stellte sich der Hochsauerlandkreis mit seiner Teilnahme am „Aktionsprogramm Kommune – Frauen in die Politik!“, bei dem in zwei Durchgängen bundesweit jeweils zehn Regionen im ländlichen Raum (einzelne Kreise oder Zusammenschlüsse von Kreisen, Städten und / oder Gemeinden), vom Projektträger EAF Berlin in Kooperation mit dem Deutschen LandFrauenverband (dlv) ausgewählt wurden.

Neue Wege brauchen Vorbilder. Wer immer nur ein „Gruppenbild mit Dame“ sieht, hält die Unterrepäsentanz von Frauen in kommunalen Vertretungen auf Dauer für eine Selbstverständlichkeit. Eine paritätische Besetzung bedeutet demgegenüber, dass mehr unterschiedliche Sichtweisen und Lebenslagen zu noch ausgewogeneren Entscheidungen führen können.


Bierdeckel mit Frauenanteilen im bundesweiten Vergleich.
Quelle: Hochsauerlandkreis

Im Hochsauerlandkreis gibt es bereits vielfältig ehrenamtlich engagierte Frauen, deren lebenspraktisches Wissen, deren Potentiale und Sichtweisen für die politische Arbeit vor Ort ein Gewinn für alle wäre. Mit Frauenanteilen in den Stadt- und Gemeinderäten zwischen knapp 12 und 27,5 % und im Kreistag von knapp 30 % bestand hier aber noch deutlich „Luft nach oben“. Der Hochsauerlandkreis wollte daher erste Impulse für eine verstärkte politische Teilhabe von Frauen mit seiner Teilnahme am Aktionsprogramm setzen. Als Koordinatorin trug die Gleichstellungsbeauftragte Karin Schüttler-Schmies die Gesamtverantwortung.

Das Aktionsprogramm lief von Mitte 2023 bis Anfang 2025 und bestand aus den vier nachstehend genannten Modulen. Für die Umsetzung aller Inhalte vor Ort (außer der vom dlv finanzierten Demokratiewerkstatt) standen jeder Region 5.000 Euro zur Verfügung.


Vorstellung des Programms beim Frauenfrühstück in Sundern.
Quelle: Stadt Sundern

Zentrale Angebote für Mandatsträgerinnen
Aus dem Hochsauerlandkreis wurden die entsprechenden Mandatsträgerinnen (Rats- und Kreistags-mitglieder sowie Ortsvorsteherinnen) – natürlich mit deren Einverständnis – an die EAF benannt. Angeboten wurden Foren mit fachlichen Impulsen (z.B. zum erfolgreichen Wahlkampf, Informationen zu Antifeminismus etc.), Kompetenzschulungen, Formate für kollegiale Beratung und Austausch, Vernetzungs-Workshops und ein Kongress. Eine Teilnahme interessierter Personen war auch an einzelnen Veranstaltungen möglich.

Mentoring-Programm
Zur Zusammenstellung von Tandems in der jeweiligen Region wurde von der EAF eine Online-Plattform zur Verfügung gestellt, auf der sich interessierte Frauen als Mentees und auch die Mentorinnen und Mentoren registrieren konnten. Die Zielgruppe der Mentees bestand dabei sowohl aus Frauen mit Erfahrungen im politischen Kontext, die ihre Kenntnisse und Netzwerke ausbauen wollten, als auch aus „Neueinsteigerinnen“, die bislang wenig / keine politischen Erfahrungen hatten. Als Mentorinnen und Mentoren konnten einige Politikerinnen und Politiker aus dem heimischen Raum gewonnen werden, wobei mehrere zwei Mentees betreut haben.

Anhand der von den Teilnehmenden auf der Online-Plattform angegebenen Präferenzen wurden die Tandems dann zunächst automatisch „gematcht“, dennoch war nachgehend auch eine intensive persönliche Unterstützung im Hochsauerlandkreis (wie auch in anderen Regionen) erforderlich.

Durch die EAF Berlin gab es Online-Angebote für die Tandems zur Gestaltung des Mentorings. Darüber hinaus war natürlich die Teilnahme an allen allgemeinen Fachforen der EAF möglich. Zu einem persönlichen Kennenlernen der Tandems im Hochsauerlandkreis wurde ein – sehr positiv bewertetes - Netzwerktreffen angeboten. In einer fachlich begleiteten Kreistagssitzung standen verschiedene Ansprechpersonen für alle Fragen der Mentees zur Verfügung. Daneben wurden sie zu den weiteren Aktivitäten im Hochsauerlandkreis eingeladen.

Demokratiewerkstatt
Beim Werkstattgespräch im September 2024, bestehend aus einem Impulsvortrag, einer Diskussionsrunde und zwei Workshop-Teilen, wurden gezielt die lokalen Rahmenbedingungen diskutiert sowie Ideen für Angebote nach Auslaufen des Programms generiert.

Regionalspezifische Angebote im Hochsauerlandkreis
In der jeweiligen regionalen Steuerungsgruppe wurden Ideen für mögliche lokale Angebote konzipiert. Zielgruppe waren dabei alle politisch interessierten Personen. Zunächst ging es darum, das Programm auch im Hochsauerlandkreis durch Vorstellung bei Veranstaltungen Dritter bekannt zu machen. Auch ein Podcast wurde in Kooperation mit den Landfrauen aufgezeichnet.

In 2024 schloss sich eine aus mehreren Modulen bestehende Bildungsreihe in Kooperation mit der Volkshochschule des HSK an, wobei eine Anmeldung auch zu einzelnen Modulen möglich war. Inhalte waren dabei eine Auftaktveranstaltung / Workshop „Handlungsort Kommune“ zu kommunalpolitischen Grundlagen, eine Podiumsdiskussion mit erfahrenen Kommunalpolitikerinnen, ein Workshop zu Netzwerk-, Projekt- und Öffentlichkeitsarbeit, ein Vortrag „Frauen in der Politik – Neue und historische Frauenbewegungen, ein Rhetorik- und Schlagfertigkeitstraining für Frauen, ein Kurs zu Demokratie und Beteiligung am Beispiel eines Planspiels zur Verzahnung von Bundes-und Kommunalpolitik. Ergänzt wurde das Bildungsangebot durch zwei Kooperationsveranstaltungen (Vortrag „Sprache macht Politik“ und Filmveranstaltung „Die Unbeugsamen“ mit politischen Pitches und anschließendem Netzwerken).


Pitcherinnen mit Publikum
Quelle: Hochsauerlandkreis

Schwierigkeiten und Chancen
Die Größe des Hochsauerlandkreises als flächengrößtem Kreis in NRW und fehlende personelle Ressourcen, auch bei Kooperationspartnern, machten es schwierig, in allen Städten und Gemeinden entsprechende Angebote anzubieten oder durchzuführen.
Als weitere Schwierigkeit zeigte sich kurz nach Ausarbeitung des Aktionsfahrplans in der eigentlich geplanten intensiven Werbungsphase im Oktober 2023 der Cyberangriff, sodass Kommunikation und Werbung per Homepage / Mail / Social Media nach außen für einen längeren Zeitraum erheblich eingeschränkt waren. Über vorhandene dienstliche und private Netzwerke und persönliche Kontakte – wie z.B. die im Hochsauerlandkreis gut aufgestellten Landfrauen oder die Mitglieder der Steuerungsgruppe -konnten dennoch viele Aktivitäten intensiv beworben werden. Auch mit einem Podcast und Interviews wurden die Aktivitäten beworben.

Fazit / Ausblick

Ein großes Netzwerk politisch Interessierter konnte aufgebaut werden, davon haben sich bereits einige Frauen zu einem intensiveren politischen Engagement entschlossen. Vor allem der persönliche Kontakt und intensive Austauschmöglichkeiten mit Vorbildern wecken das Interesse an politischer Teilhabe, die durch Informationsangebote flankiert werden. Eine Umfrage unter allen Teilnehmenden hat dabei ein durchweg positives Feedback zum Angebot des Hochsauerlandkreises ergeben.
Wie geht es nun weiter? Als zentrale Angebote kann hier zum einen auf die Landesinitiative „Be the change – Frauen für Demokratie“ verwiesen werden. Auch die EAF Berlin bietet in Kooperation mit dem dlv bundesweit die neue Plattform „Frauen.Vielfalt.Politik“ an, die unterschiedliche Informationen, aber auch Beratungsangebote und Fachforen allen Interessierten zur Verfügung stellt.
Hinsichtlich der regionalen Angebote im Hochsauerlandkreis wird durch die Gleichstellungsbeauftragte der Fokus auf allgemein unterstützende Angebote für politisch interessierte Frauen gerichtet. Aus dem Austausch mit anderen Regionen sowie den bereits erfolgreich umgesetzten Formaten im Hochsauerlandkreis soll auch zukünftig ein entsprechendes Angebot generiert werden.

Karin Schüttler-Schmies
Quelle: Hochsauerlandkreis