Rückenwind fürs Fahrrad – Veloroutennetz im Münsterland wächst weiter
Der Ausbau des Veloroutennetzes im Münsterland ist ein zukunftsweisender Schritt zur Förderung klimafreundlicher Mobilität. Die Region denkt vernetzt, agiert kooperativ und investiert gezielt in eine hochwertige Infrastruktur. Die Kombination aus lokal angepassten Maßnahmen und einem überregionalen Gesamtkonzept sorgt dafür, dass das Fahrrad weiter Rückenwind bekommt – im Alltag, für Pendelnde und für alle, die sich sicher und komfortabel fortbewegen wollen.
Das Fahrrad gehört zum Münsterland und ist ein traditionell bedeutendes Verkehrsmittel der Region. Das gilt nicht nur mit Blick auf Freizeitverkehr und Radtourismus, sondern auch für die Alltagsmobilität. Radfahren hat im Münsterland Tradition und ist gelebte Mobilitätskultur. Das zeigt sich etwa im sogenannten Modal Split – rund ein Drittel aller Wege werden im Münsterland mit dem Fahrrad zurückgelegt, Tendenz steigend.

Verkehrsmittelwahl im Münsterland.
Quelle: Kreis Warendorf
Die zunehmende Nutzung elektrifizierter Fahrräder verändert die Anforderungen an die Radinfrastruktur im Münsterland grundlegend. Mit höheren Geschwindigkeiten und größeren Reichweiten steigen die Ansprüche an Komfort und Sicherheit sowie die Erwartungen unterschiedlicher Nutzergruppen – allen voran ältere Menschen und Berufspendelnde. Ziel ist es, den Fahrradverkehr alltagstauglich zu gestalten und gleichzeitig die Sicherheit zu erhöhen. Die Region reagiert mit ambitionierten Maßnahmen und einem regional abgestimmten Ausbau des Veloroutennetzes im Radvorrangroutenstandard.

Systemskizze Velorouten im Münsterland.
Quelle: Kreis Borken
Kreis Steinfurt: Kreisradwege als neue Qualitätsebene
Im Kreis Steinfurt bildet das Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2020 mit seinen ca. 600 Einzelmaßnahmen das Rückgrat der Planungen. Im Mittelpunkt stehen kurze Wege für Alltagsradfahrende, kommunalübergreifende Qualität und die Förderung klimafreundlicher Mobilität. Bis 2040 will der Kreis klimaneutral sein. Die Einführung der sogenannten Kreisradwege war ein Meilenstein. Diese Wege liegen zum Teil außerhalb des klassischen Kreisstraßennetzes, werden aber dennoch vom Kreis gebaut und gepflegt. Die Standards – drei Meter Breite und Ausweisung als Fahrradstraße – garantieren eine durchgehende Qualität.
Ein Vorzeigeprojekt ist die 62 Kilometer lange „Triangel“, die sechs Kommunen verbindet. Sie wurde als TOP 5 der besten Projekte beim Deutschen Fahrradpreis 2024 im Bereich Infrastruktur ausgewählt. Auch die RadBahn Münsterland sowie die künftig für den Radverkehr ausgebauten Betriebswege entlang der Kanäle sind Kreisradwege, die Tourismus und Alltagsverkehr gleichermaßen stärken. Mit dem geplanten 72 Kilometer langen Ausbau entlang des Dortmund-Ems-Kanals und des Mittellandkanals baut der Kreis auf bewährten Strukturen auf und stärkt den nachhaltigen Verkehr.
Kreis Warendorf: Von Velo- bis Ergänzungsrouten
Im Kreis Warendorf werden Velorouten gezielt zwischen Städten, Gemeinden und Ortsteilen entwickelt – mit Fokus auf den Alltagsverkehr. Aktuelle Bauprojekte wie die Strecke Warendorf–Freckenhorst oder Alverskirchen–Wolbeck setzen Maßstäbe in puncto Breite, Abtrennung vom Autoverkehr und Komfort. Auch Ergänzungsrouten erhalten Aufmerksamkeit, wie etwa der Ausbau in Alverskirchen an der K33 bis zur L520 mit neuer Brücke. Die kontinuierliche Verbesserung bestehender Strecken wird ebenso verfolgt: Markierungen an der B58 zwischen Ahlen und Drensteinfurt verbessern die Sichtbarkeit der Radwege bei Dunkelheit und Nässe.
Im Kreis Warendorf sind zwei Machbarkeitsstudien zur Verbindung Ahlen-Beckum und zu einem möglichen Radschnellweg F35+ zwischen Münster und Hamm geplant. Das Potenzial ist da: 95 Prozent der Haushalte im Kreis verfügen mindestens über ein Fahrrad, 61 Prozent über ein Pedelec. Der Anteil des Radverkehrs liegt bei starken 28 Prozent. Der Ausbau der Infrastruktur unterstützt diesen Trend.
Kreis Coesfeld: Veloroutenanbindung an Münster und darüber hinaus
Auch im Kreis Coesfeld schreitet der Ausbau des Radwegenetzes weiter voran. Die Veloroute 8 Ascheberg–Münster wurde an mehreren Abschnitten verbessert, insbesondere an der L844 und K39. Für 2026 ist der Bau weiterer Teilstücke geplant. Die Routen 6 (Senden–Albachten–Münster) und 7 (Senden–Duesberg–Münster) werden ebenfalls ausgebaut, teils mit Baubeginn ab Anfang 2026.
Ein zentrales Projekt ist die geplante Ertüchtigung der Kanalseitenwege am Dortmund-Ems-Kanal – rund 30 Kilometer durch vier Kommunen, mit Anschluss an die Kanalpromenade Münster. Die Umsetzung wird durch Förderbescheide des Bundes ermöglicht und erfolgt in enger Abstimmung mit den beteiligten Städten.
Wem das Pedelec nicht schnell genug ist, kann jetzt auf insgesamt drei Außerorts-Fahrradstraßen auch mit dem S-Pedelec den Weg zur Arbeit zurücklegen. Die entsprechenden Fahrradstraßen auf Wirtschaftswegen wurden hierzu explizit für die „schnellen Pedelecs“ freigegeben.
Kreis Borken: 47 mögliche Velorouten mit Netzlogik
Der Kreis Borken hat mit dem am 13. Juni 2024 verabschiedeten Zielnetz die Grundlage für ein umfassendes Veloroutennetz geschaffen. Das Konzept basiert auf dem Alltagsroutennetz von 2012 und umfasst 47 potenzielle Routen. Neben Sicherheits- und Potenzialkriterien floss auch die Realisierbarkeit in die Planung ein. Die Routen sollen mittelfristig Teil des Radvorrangnetzes des Landes NRW werden.
Die Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit Straßen.NRW und dem Kreisbetrieb. Aktuelle Ausschreibungen betreffen unter anderem die Ochtruper Straße in Gronau mit drei Kreuzungspunkten. Ab 2025 ist der Ausbau auf den Strecken Heek–Ahaus und Bocholt–niederländische Grenze geplant. Die Fortschritte werden künftig im Portal Geoexplorer visualisiert, ein Austausch mit den Kommunen erfolgt regelmäßig im Arbeitskreis Mobilität.
Stadtregion Münster: Fahrradnetz 2.0 als Vorbild
Die Stadt Münster bildet mit elf benachbarten Kommunen die Stadtregion Münster, die sich mit ihrem rund 266 Kilometer umfassenden Veloroutennetz ambitionierte Ziele gesetzt hat: Neben den bereits fertiggestellten Abschnitten bestehen derzeit für mehr als der Hälfte des Netzes konkrete Planungen zur Verbesserung auf den Veloroutenstandard. Insbesondere in der Stadt Münster bildet das Fahrrad längst das wichtigste Verkehrsmittel – 47 Prozent aller Wege erfolgen per Rad. Das neue entwickelte Fahrradnetz 2.0 soll hierbei das Radfahren komfortabler und sicherer machen. Mit abgestuften Routen verfolgt das Netz einen systematischen Ansatz und legt dabei den Fokus auf Netzlogik.
In diesem Kontext wurden Abschnitte der Velorouten Telgte–Münster und Everswinkel–Münster im vergangenen Jahr zur Fahrradstraße 2.0 ausgebaut. Aktuell werden Abschnitte der Routen Nottuln–Münster, Havixbeck–Münster sowie Altenberge–Münster angepasst und zur Fahrradstraße 2.0 ausgebaut, inklusive Vorrangregelungen und mehr Raum für Radfahrende.
Fazit: Das Münsterland setzt in der nachhaltigen Mobilität auf das Fahrrad

Rückenwind fürs Fahrrad.
Quelle: Kreis Warendorf
Planung und Umsetzung der erforderlichen Infrastruktur für die schnelle Fahrradmobilität im Münsterland sind also bereits in vollem Gange. In der praktischen Arbeit zeigt sich aber auch, dass diese Aufgaben keine Selbstläufer, sondern ein hoch komplexes und anspruchsvolles Unterfangen mit vielfältigen Hemmnissen und Fallstricken sind. Damit sie noch besser wird, müssen die Rahmenbedingungen stimmen, die außerhalb der Region gestaltet werden. Konkret nachlesen lassen sich die aktuell bestehenden Hemmnisse und die daraus abgeleiteten kommunalen Forderungen im gemeinsamen Positionspapier der Münsterlandkommunen „RÜCKENWIND FÜRS FAHRRAD. Ein regionsweites Netz für die schnelle Fahrradmobilität im Münsterland“[1].
Insbesondere erwarten die regionalen Akteure, dass das im Rahmen intensiver Beteiligungsprozesse und viel planerischem Know-how entwickelte münsterländische Veloroutennetz Eingang in den aktuell in Erarbeitung befindlichen ersten nordrhein-westfälischen „Bedarfsplan für Radschnellverbindungen“ findet.
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| Mathias Raabe Kreis Warendorf |
1 https://www.veloregion.de/hintergrund/verkehrsplanung/velorouten-im-muensterland/positionspapier-zu-muensterlandweitem-velorouten-netz/
